~ Live-Review ~
Am frühen Freitagnachmittag wurde der Reigen auch musikalisch mit den Old-School Thrashern WITCHBURNER eröffnet, die für einen Opener in Ordnung waren. Mehr aber auch nicht.
ANGEL WITCH mögen ja Kult sein, aber davon abgesehen, dass selbst ich wohl für diese Band zu jung bin, haben sie mich nicht überzeugt. Insbesondere der völlig schiefe Gesang motivierte mich das Amphitheater bei der Hälfte des Sets zu verlassen.
Die als Black Metal Band verkauften DESTRÖYER 666 waren da schon etwas interessanter, überzeugten aber ebenfalls nicht komplett. Man muss dazu aber auch sagen, dass bei allen drei ersten Bands der Sound zu basslastig war.
Zum Glück änderte sich dies ab PRONG erheblich. Ich hatte das Gefühl, dass nur noch wenige sich an diese Trendsetter erinnern, und sie die neue Generation nicht wirklich ansprechen. Anders kann ich mir die verhaltenen Publikumsreaktionen trotz wirklich gelungener Show nicht erklären.
JAG PANZER waren immer eine Band, die mich nie interessiert haben, habe ich sie doch als eine Heavy Metal Band unter vielen gesehen. Umso erstaunlicher, dass sie mich derart begeistert haben. Dies lag hauptsächlich an Sänger Harry Conklin, der nicht nur der beste Vokalist dieses Festivals war, sondern einer der besten Shouter die ich je gehört habe. Dass die linke Boxenwand ständig ausfiel, und die Chöre vom Band kamen, täuschte nicht über eine brillante Performance hinweg.
Ich habe es unzählige Male versucht, aber OPETH konnten mich noch nie packen. Und dann sitze ich da im Dämmerlicht des Amphitheaters, und plötzlich geht mir ein riesiges Licht auf, und ich verstehe endlich die Musik dieser Band. Der Auftritt mit Videoleinwand war das intensivste Erlebnis dieses Wochenendes, und es war schwer nach dem Gig wieder Boden unter den Füßen von diesem Trip zu bekommen.
Samstagmittag sorgten EVOCATION mit ihrem Old School Schweden Death fürs Wachwerden, und die Laune war nach dieser wirklich guten Band erst einmal auf Höchststufe für den kommenden Tag.
GRAND MAGUS konnten mich dagegen nicht ganz überzeugen. Zwar ist die Band nicht schlecht, warum sie aber gerade so gehypt werden, entzieht sich meiner Logik.
Und AUDREY HORNE waren so laut und nervig, dass ich nach 2 Songs erst mal zurück zum Zelt lief. Laut Aussagen mehrerer Leute, sollen sie aber im Verlauf des Sets deutlich besser geworden sein.
Und wieder ist Martin van Drunen auf der Rock Hard Bühne – dieses Mal mit HAIL OF BULLETS, die eine intensive und perfekte Show darboten. Und wenn man außerdem einen Drummer wie Ed Warby und einen Sympathiebolzen wie van Drunen in seinen Reihen hat, kann ohnehin kaum noch was schief gehen.
Ein Konzert von DRAGONFORCE zu sehen, ist am ehesten mit einem Zirkusbesuch zu vergleichen. Da hampeln und turnen die als Musiker verkleideten Akrobaten über die Bühne, machen Clownseinlagen auf Trampolinen, und Jonglieren sich ihre Finger an den Instrumenten kaputt. Eine echt interessante Show. Leider bleibt dabei die Musik völlig auf der Strecke.
Wenn auf dem Rock Hard Festival Thrash Bands aus den 80ern die Bretter betreten, ist der Ausnahmezustand im Pit garantiert. Da erfreulicherweise auch die neue Generation die alten Größen zu würdigen weiß, konnte man Circle Pits und Crowdsurfer en masse sehen, was eine geile Untermalung des sehr gelungenen Auftritts von FORBIDDEN darstellte.
Wenn vermeintlich harte Rocker durch die Bank weg Tränen in den Augen haben, ist ein gelungener Auftritt von Jon Oliva nicht weit. JON OLIVA’S PAIN…. Ach was! Savatage sorgten für eine gute Stunde Magie. Songs wie „Tonight he grins again“, „Chance“ oder das obligatorische „Hall of the Mountain King” waren unfassbar geil, und die Kugel auf der Bühne sorgte auch noch mit Humor und Ausstrahlung für einen perfekten Gig.
Die Headliner Show von CHILDREN OF BODOM zu beurteilen ist für mich nicht einfach, denn die Jungs haben trotz gebrochener Schultern und Rippen alles richtig gemacht. Nur werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr Fan der „fucking“ Finnen.
Der letzte Tag war sehr eintönig. Zuviel Hardrock und zu wenig wirkliche Knaller. Dabei fing es mit den jungen Finnen von TRACEDAWN noch überraschend gut an. Die Jungs spielen eine Mischung aus Melodic Death, Metalcore, und ein paar sphärischen Parts, sind technisch versiert, und boten eine gelungene Show. Zwar ist der Gesang noch etwas wackelig, aber bei einem Alter von geschätzten 20 Jahren ist die Stimme noch ausbaufähig. Sollte man im Auge behalten.
Auch FIREWIND vermochten trotz durchschnittlichem Sänger mit ihrem einfach gestrickten Rock zu überzeugen. Vor allem der 80er Disco Hit „Maniac“ klang im Rock Gewand durchaus mitreißend, und sorgte für eine ausgelassene Stimmung im Publikum.
BULLET kamen sehr gut beim Publikum an. Wenn man AC/DC mag, und der Meinung ist, man braucht noch mehr AC/DCs, dann kann man wahrscheinlich dem ganzen sogar was abgewinnen.
Und als dann D-A-D ihr Kasperltheater beginnen, und ich langsam von Hardrock die Schnauze voll hatte, beschloss ich für mich, dass ein gemütliches Bier am Zelt wertvoller als die Dänen sei.
Bei HEATHEN wiederholte sich das gleiche Bild wie bei Forbidden. Zudem klingen die Bands auch sehr ähnlich, außer dass HEATHEN den melodischeren Sänger haben.
Es kann nicht nur daran gelegen haben, dass es heute die vierte Hardrock Band war. Ich erinnere mich an den fantastischen Auftritt von Y&T im Vorjahr, und vergleiche ihn mit dem disaströsen Gig von UFO dieses Jahr. Mir fielen vor Langeweile wirklich die Augen zu! Und im Publikum war tote Hose. Der eindeutige Tiefpunkt dieses Festivals.
Der dritte Teil des Old School Thrash Reigens ist in Form von SACRED REICH auch der erfolgreichste. Sowohl die Band als auch die Meute vor der Bühne haben enormen Spaß an einem Set der keine Wünsche offen ließ. Und Phil Rinds Fragestunde wird legendär bleiben.
Der SAXON Auftritt war sehr gelungen. Zwar werde ich auch hier nicht zum Fan werden, aber die Show war erste Klasse, was von unzähligen Crowdsurfern untermauert wurde. 8 Stück auf einmal habe ich irgendwann gezählt….
Ganz klar… nächstes Jahr wieder! Und das Billing kann auch nur besser werden.
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~ Info ~
Festival/Gig-Info
Veranstaltung:
ROCK HARD FESTIVAL 2009
Ort:
Gelsenkirchen
Location:
Amphitheater
Homepage:
rockhardfestival.de
Verfasser-Info
Autor:
meinopadiekatze
AM:
02.06.2009
UM:
19:37