~ Live-Review ~
Innerhalb der letzten 12 Jahre wurde im Ruppiner Land in Brandenburg eine Festival-Institution geschaffen. Auch wenn nicht jedes Jahr im Mai oder Juni genau die gleichen Menschen ins Dorf Protzen bei Fehrbellin pilgern, das wäre ja auch ein bisschen langweilig, hat man doch das gute Gefühl, dass auch bei der 13. Veranstaltung namens Protzen Open Air vieles genauso sein wird, wie schon bei den letzten Malen. Es gibt Gewöhnungen, die findet man lästig, und es gibt welche, die braucht man einfach. Und zu letzteren zählt eben das P. O. A., mitten in der schönen Landschaft des Rhinluchs. Erst recht, wenn man auf das feinste, was der Metal Underground zu bieten hat, total abfährt. Wenn sich das dann sogar bis in die Hirnwindungen von großen Männern des Metal, z. B. bis nach Holland, Schweden oder anderswo auf der ganzen Welt einbrennt, dann muss ja einiges dran sein daran, dass man eins der geilsten Festivals hier vorfindet. Also viele haben sich so sehr an ein tolles und vor allem gemütliches Wochenende gewöhnt, dass man immer schon dann, wenn das Festival (sonntags) vorbei ist, dem nächsten Jahr entgegensehnt oder sich sogleich wieder verabredet mit Leuten, die man nur hier trifft.
Aber von vorn; am Freitag, den 4. Juni 2010, wird es diesmal starten, das tolle Fest.
Obwohl das Gelände in Protzen, das vom Neuruppiner Motorradverein Dead Land e. V. von Beginn an zur Verfügung gestellt wurde und wird, sicher schon am Mittwoch und Donnerstag von einigen (Helfern und ersten Gästen) in Partylaune erobert sein wird. Muss ja sicher wieder einiges getan werden, wie bspw. Zäune, Tonnen, Stände und Buden aufstellen.
Wenn man dann aber auf dem Protzen Open Air sein Zelt aufgeschlagen hat, die schon anwesenden Leute begrüßt hat und sich umgeschaut hat, kann man auch bald, je nach Uhrzeit, das Bandprogramm im Hangar begutachten.
Starten werden am 4.6.10 um 16.00 Uhr die jungen Berliner Herren von Desolated. Trotz einiger Besetzungswechsel werden sie den Anwesenden schon ordentlich DeathMetal-Dampf machen, nicht etwa nur heiße Luft. Die 2008er EP „War of desolation“ verspricht jedenfalls einiges an solider Mucke.
Mit drei EPs im Gepäck werden danach die Hamburger Under Falling Leaves die Protzener Bühne beackern. Thrashig und auch mit DeathMetal-Riffs gespickt können sie mit ihrem HC sicherlich die „Aufwärmphase“ akkurat bestreiten.
Die Jungs danach haben eine nicht ganz so weite Anreise. Malizia sind aus Kyritz und verbreiten mit ihrem Brutal Deathcore im Hangar sicherlich so viel Spaß, wie sie selber haben werden und wie es auch gut in ihrem Video zu sehen ist.
Ab 18.20 Uhr werden auf der Bühne die Niedersachsen (aus der Region SZ-BS) Daniel, Mat, Toni, André und Regi mit nachdenklichen DeathMetal-Songs die Leute zum Bangen „zwingen“. Nicht nur Berlinern werden Diary About My Nightmares, kurz D. A. M. N., schon ein Begriff für Death Metal der besonderen Art sein, erstaunten sie doch schon vor vier Jahren im Friedrichshain das Publikum und spielten u. a. auf dem Blackland Festival 2009. Endlich dürfen sie auch in Protzen zeigen, was die Dame am Mikro und die Herren um sie herum so drauf haben. Nach ihrem Demo vor fünf Jahren haben sie 2006 mit der CD „Vermächtnis“ genau ein solches geschaffen. Auch der letzte Output „Forbidden anger“ hat wieder Maßstäbe gesetzt und wir werden auf der Bühne sehen, wie gut das live rüberkommt.
Von Protzen zwei mal um die Ecke, aus Neuruppin, stammen Burning Steel, die schon seit 15 Jahren musizieren und schon 2000, 2003, 2004 und 2007 im Protzener Hangar zeigen konnten, was eine Metal Harke ist. Marek, Thomas, Dennis und Rudy haben dabei meistens viel Spaß unter den Anwesenden verbreitet. Klar, es muss ja einen Grund geben, weshalb man auch das fünfte Mal eingeladen wird. Den 2000er Auftritt beim III. Protzen Open Air haben sie auch auf CD gebannt. Dann folgten noch die Alben „Master of eternal fire“ und „Age of death”. Da das ja nun auch schon wieder gut zwei Jahre her ist, kann man in Protzen 2010 neues Material auf der Bühne auf die Ohren „gedrückt“ bekommen.
Zum dritten Mal nach 2006 und 2008 werden uns My Cold Embrace bzw. die Death Metal Legion Cassel (so hieß ihre Heimat vor 84 Jahren noch) in Protzen zeigen, dass auch sie weiter in den obersten musikalischen Ligen mitspielen wollen und das auch können. Dabei werden sie dem Publikum so einiges aus ihrem Repertoire in die Schädel knallen. Dazu gehören nach unzähligen Sampler-Beiträgen und drei Demos auch das 2004er Album „Katharsis“ und das zwei Jahre alte „Hausgeist“.
Viel Spaß mit schnellem Geknüppel, Gequieke und Gegrunze kommt dann, ab 21.15 Uhr, aus dem äußersten Südwesten des Landes angefahren. Die Deathgrinder Boiler haben den Hangar schon zwei Jahre zuvor ganz nach dem Motto „Sex’n’Beer’n’Circlepit“ mit Stücken aus ihrem Werk „Atüla, der Druckluftkönig“ beglückt. Also ein Highlight für die Stimmung und ein Test für die Stabilität des Hangars, wenn man sich vorstellt, dass 100 Leute (Minimum!) außer Rand und Band vor der Bühne rumspringen oder ums Mitgrunzen betteln. In 3,5 Jahren Existenz rund 30 Konzerte zu geben, mag manchen nicht so viel vorkommen, wenn man aber bedenkt, dass für die Grindszene wichtige Festivals wie das Obscene Extreme oder das Blutsvente auch schon dabei waren, zeichnet das die Herren als „vom Fach“ aus. Auch von der „Voice from the dark side“, dem Legacy Mag, gab es für die 2009er PromoCD das „Qualitätssiegel“ 10 Punkte, also lasst uns schauen, ob Boiler auch eine der besten Shows im Hangar hinbrettern können!
Alte Bekannte und Trinkbrüder folgen ihnen danach. Schon 1999, beim zweiten, und 2007, beim zehnten P. O. A. machten die Berliner Postmortem die Bühne mit ihrer Version des Death Metal unsicher. Was man schon vermuten kann, ist, dass ihr dritter Protzen-Gig ein routiniertes Metalfest, mit viel Spaß auf und vor der Bühne wird, schließlich gibt es die Band schon elf Jahre länger als das Protzen O. A. selbst.
Die Headliner des Freitagabends werden dann mit ihrer ebenso alten Band Asphyx die Herren Martin Van Drunen, Wannes Gubbels, Bob Bagchus und Paul Baayens aus den Niederlanden sein. Man kann aus Erfahrung von 2008 sagen, dass dieser Auftritt ein Highlight mit dicht gezwängtem Publikum wird, da niemand der Anwesenden diese Konzertperle verpassen will, sei es moschend oder genießend. Auch dieses Mal wird Martin wohl wieder einiges zur einmaligen Stimmung beitragen, wenn er die Songs aus allen der sieben Alben und vielleicht auch aus den alten Demos ansagen wird. Die typische Asphyx-Atmosphäre würde auch Stunden nach Mitternacht anhalten, mit lautstarken Zugabe-Rufen, wenn die Herren „nur“ die gerade erschienene Best of - Doppel - CD „Depths of eternity“ runterspielen würden. Danke, an die, die dafür sorgten, dass viele Jahre nach der Auflösung der Band, Apshyx vor drei Jahren wieder auferstanden sind und uns das wieder brachten, was wir nur von früher kannten. Wir erwarten jedenfalls einen schleppend-düsteren Death Metal Gig der Oberklasse, wie man ihn von Asphyx gewohnt ist, denn im Stich gelassen wurden wir von ihnen noch nie.
Auch dann nicht, wenn es hieß, Live-Bands vorbei und bei Metal aus CDs am Lagerfeuer plauschen. Selbst bei diesem gemütlichen Teil oder auch wild tanzend in der „Zelt- & Hangar-Disko“ bereicherten die Musiker die Atmosphäre, von der sie meistens selber sehr angetan waren, genau wie von der Bar. Also fast alle Musiker; die, die tagsüber die Bühne bespielten, und die, die rechtzeitig genug anreisten und das am Protzen-Samstag tun werden. Kurz sind diese Nächte nie. Nur der Schlaf kommt bei den meisten Anwesenden zu kurz. Aber dafür sind wir ja nicht da.
Wenn der nächste Tag anbricht, also wenn am 5. Juni 2010 die Samstagssonne die Leute in ihren Zelten weckt (schlechtes Wetter ist beim Protzen Open Air selten), dann haben sie Zeit bis 14.00 Uhr, z. B. um sich zu ernähren, Einkäufe an den Platten-, Merch-, Schmuck- oder anderen Ständen zu tätigen oder dem nahe gelegenen Neuruppiner See einen Besuch abzustatten.
Denn dann warten schon junge Neubrandenburger auf der Bühne, nämlich die Jungs von Bloodpunch, die mit Hardcore aufwarten.
Mit schnellem Geknüppel und „nicht reinreden lassen“ - Old School Death Metal warten danach die Herren von den Maggots auf. Auch diese Band ist schon seit 17 Jahren im Metal Underground von Brandenburg & Berlin unterwegs und legte gerade das vierte Album namens „Church Of Blasphemy“ auf. Sie werden es garantiert wieder würdig unters Protzenvolk knallen.
Vae Victis aus Mecklenburg werden danach die Black Thrash Granate zünden und die Leute und deren Matten nicht unbewegt lassen. Sie sind beim VII. Protzen Open Air schon dabei gewesen und auch ihr Album mit dem passenden Titel „Black Fucking Thrash Metal“ will anständig präsentiert werden.
Neu im brandenburgischen werden sich die Böhmen von Tortharry zeigen. Auch in Berlin spielten sie bisher noch nicht. Gut, dass man sie nach 19 Jahren auch mal in der Gegend erleben darf. Typisch fürs Protzen Open Air ist, dass man auch vor allem sehr gute Bands neu entdecken kann, also sind wir sind gespannt, wie die Live-Darbietung von Tortharry ausfallen wird. Ihren straighten, fixen Death Metal gibt es auf schon sechs Alben und drei Demos zu hören.
Seit acht Jahren machen vier Oldenburger namens Schnubbi, Joe di Fister, Kelly & Fröhloco die Grind-, Death-, Crust-, HC- und sonstige Szenen unsicher, denn diese „Kanalagenten“, „Callboys from hell“ oder auch „Barbarossas Rhabarber-Barbaren“ mit dem klangvollen Namen Ebola Beach Party mischen viele Arten von (zackiger) Musik und der Spaß stand dabei grundsätzlich an ihrer Seite. Ganz sicher auch im Protzener Hangar. Drei Scheiben mit durchschnittlich zwanzig witzigen Stücken sind schon von EBP entstanden und die Songs werden mit Spielzeiten von selten über 1 ½ Minuten den garantiert in Protzen mehr werdenden Fans um die Ohren geballert.
Die Franken von Verdict sind schon viele Jahre im Thrash Death Metal unterwegs. Sie haben ihr frisches drittes Album namens „Assassin : Nation“ dabei und beglückten schon so einiges (Festival)publikum mit viel Gute-Laune-Potential. Protzen wird nun auch endlich mal beackert. Die Vorfreude ist sicher auf beiden Seiten groß, auf und vor der Bühne.
Schon ihr zwanzigjähriges Bandjubliäum feiern die nächsten Franken auf der Protzen-Bühne. Die drei Deathgrinder von Dead haben vier Alben und etliche Split-CDs, Compilations und Platten auf dem Markt. Sie werden mit ihren „schlüpfrigen“ Texten und ihrem schwungvollen Grind wieder mal das brandenburgische Publikum bespaßen, so viel ist mal klar. Auch der Besetzungswechsel am Bass wird daran nichts ändern.
Eine der ersten Bands, die das Wacken Metal Battle gewannen, sind die auch international hoch geachteten Stoner Rocker Gorilla Monsoon aus Sachsen. Man kennt sie als die Band, die oftmals mitten in der Nacht noch ihren Antilopenschädel auspacken und mit ihrem groovigen Sludge die Leute beeindrucken. Das tun sie dann manchmal mehr als 30 Mal im Jahr und kommen so ganz schön rum. Wegen besagtem Sieg in Wacken sind sie auch auf diesen Veranstaltungen oft noch eingeladen und konnten auch drei Alben auf Armageddon Music heraus bringen. Auch in Protzen sind sie gern gesehen und auch „schon“ um 20.10 Uhr kann man ordentlich rocken, was man sicher erleben wird.
Eine niedersächsische Band folgt ihnen. Dew-Scented, die sich schon 2004 die Ehre gaben, werden wieder ihre fixe und spaßige Thrash Death Metal Show zeigen. Darauf kann man sich auch deswegen freuen, weil im Februar ein neues Album eingespielt wird und die Herren Martin, Michael, Leif, Marc-Andrée, und Alexander werden uns sicher einige neue Songs vorstellen. Und auch die sieben Alben und das Demo davor bieten ja schon einiges an tollem Material. Man darf also wirklich gespannt sein.
Es waren einmal Centinex… nein, ist ja kein Märchen, ist alles so passiert… Also in Schweden gab es bis 2006 eine tolle Death Metal Band mit eben diesem Namen, Centinex. Drei der Herren, Gitarrist Johan, Bassist Martin und Drummer Ronnie gründeten nach dem Ende von Centinex die Band Demonical. Nebenbei verdingen sie sich, wie das ja im schwedischen Metal üblich ist, auch noch in anderen Bands, wie bei den Grindhelden Regurgitate am Bass oder, wie der Vokalist Widda, bei den alten Diabolical an der Gitarre. Schlagzeuger Ronnie wird mit seiner anderen Band Grave in Sachsen unterwegs sein und Jonas Lindström von Isole & Undivine springt für ihn ein. Demonical werden Protzen mit ihrer ordentlich schwedischen Portion Death Metal 2010 zum ersten Mal beehren. Doch Gitarrist Johan Jansson kennt die Bühne in Protzen schon vom letzten Jahr, saß er doch mit seiner Uncurbed-Family schon auf dem Drumhocker.
Auch schon im Hangar gespielt hat die Holländerin Susan Gerl, die in Protzen 2008 ihren vorletzten Gig mit Cliteater gab. Sie kommt zurück mit der obersten Liga im geschwungenen Death Metal. Wir freuen uns auf eine tolle letzte Band (ab 23.30 Uhr) in Protzen namens God Dethroned! Die Truppe aus den östlichen Niederlanden mit den satanischen und auch sonst „tödlichen“ Texten blickt auch schon auf eine 19 Jahre alte Geschichte mit sieben Alben zurück, von denen das hochgelobte „Passiondale“ 2009 erschien.
Und erst danach wird eine Festival-Legende für 2010 zu Ende sein. Wer dieses Jahr nicht mitfeiert, ist selber schuld. Man sieht sich in Protzen!

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~ neue Reviews ~
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10.03.2007 - Dusty Suckers
29.06.2006 - Grind Out
27.05.2006 - Asathor
21.05.2006 - In Blackest Velvet
10.03.2007 - Dusty Suckers
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~ Info ~
Festival/Gig-Info
Veranstaltung:
Protzen Open Air XIII (Vorschau)
Ort:
Protzen
Location:
Deadland
Homepage:
www.protzen-open-air.com
Verfasser-Info
Autor:
Jochen
AM:
01.06.2010
UM:
16:46